Strecksehnenfach: Alles, was Sie über Anatomie, Funktion und Erkrankungen wissen müssen
Das Strecksehnenfach ist ein wichtiger Bestandteil der Handanatomie, der oft erst bei Problemen in den Fokus rückt. Schmerzen im Handgelenk oder Daumen? Möglicherweise spielt Ihr Strecksehnenfach eine Rolle. Erfahren Sie hier alles über Aufbau, Funktion und häufige Erkrankungen dieses oft übersehenen Bereichs.
Was ist das Strecksehnenfach? Eine umfassende Erklärung
Das Strecksehnenfach ist nicht *ein* einzelnes Fach, sondern eine Struktur, die aus sechs separaten Tunneln am Handgelenk besteht. Diese Tunnel werden durch ein starkes Band, das Retinaculum extensorum, gebildet. Sie dienen dazu, die Sehnen der Streckmuskeln des Unterarms zu führen und am Handrücken zu stabilisieren. Ohne diese Fächer würden die Sehnen beim Anspannen der Muskeln wie Saiten einer Gitarre vom Handgelenk abstehen.
Die Anatomie der Strecksehnenfächer im Detail
Jedes der sechs Strecksehnenfächer enthält eine oder mehrere Sehnen, die für die Streckung der Finger und des Daumens verantwortlich sind. Hier eine Übersicht:
- 1. Strecksehnenfach: Enthält die Sehnen des Musculus abductor pollicis longus (APL) und Musculus extensor pollicis brevis (EPB). Diese sind wesentlich für die Daumenabspreizung und -streckung.
- 2. Strecksehnenfach: Beinhaltet die Sehnen des Musculus extensor carpi radialis longus (ECRL) und Musculus extensor carpi radialis brevis (ECRB). Diese Muskeln strecken und spreizen das Handgelenk.
- 3. Strecksehnenfach: Hier verläuft die Sehne des Musculus extensor pollicis longus (EPL), zuständig für die Streckung des Daumenendglieds.
- 4. Strecksehnenfach: Beherbergt die Sehnen des Musculus extensor digitorum (EDC) und Musculus extensor indicis proprius (EIP). Der EDC streckt die Finger, der EIP ist speziell für den Zeigefinger zuständig.
- 5. Strecksehnenfach: Enthält die Sehne des Musculus extensor digiti minimi (EDM), der den kleinen Finger streckt.
- 6. Strecksehnenfach: Hier verläuft die Sehne des Musculus extensor carpi ulnaris (ECU), der das Handgelenk streckt und zur Körperseite hin bewegt.
Die Funktion der Strecksehnenfächer
Die Strecksehnenfächer haben mehrere wichtige Funktionen:
- Führung der Sehnen: Sie sorgen dafür, dass die Sehnen in der richtigen Position bleiben und nicht verrutschen.
- Kraftübertragung: Sie ermöglichen eine effiziente Kraftübertragung von den Unterarmmuskeln auf die Finger und das Handgelenk.
- Reibungsreduktion: Sie reduzieren die Reibung zwischen den Sehnen und dem Knochen, was wichtig ist, um Entzündungen vorzubeugen.
Häufige Erkrankungen des Strecksehnenfaches
Obwohl die Strecksehnenfächer robust sind, können sie durch Überlastung, Verletzungen oder Entzündungen beeinträchtigt werden. Einige häufige Erkrankungen sind:
Tendovaginitis de Quervain
Die Tendovaginitis de Quervain ist eine Entzündung der Sehnen im 1. Strecksehnenfach (APL und EPB). Sie führt zu Schmerzen an der Daumenseite des Handgelenks, die sich bei Bewegung des Daumens verstärken. Diese Erkrankung wird oft durch repetitive Bewegungen oder Überlastung ausgelöst und wird umgangssprachlich auch als "Hausfrauendaumen" bezeichnet. Die Behandlung der Tendovaginitis de Quervain kann konservativ (z.B. mit Schienen und entzündungshemmenden Medikamenten) oder operativ erfolgen.
Sehnenscheidenentzündung der übrigen Strecksehnenfächer
Auch die anderen Strecksehnenfächer können von Sehnenscheidenentzündungen betroffen sein, oft durch ähnliche Ursachen wie bei der Tendovaginitis de Quervain. Die Symptome sind ähnlich, aber die Schmerzen treten an anderer Stelle am Handgelenk auf, je nachdem, welches Fach betroffen ist.
Intersection Syndrom
Das Intersection Syndrom ist eine spezielle Form der Sehnenscheidenentzündung, bei der sich die Sehnen des 1. und 2. Strecksehnenfaches kreuzen und an dieser Stelle entzünden. Die Schmerzen treten etwas oberhalb des Handgelenks auf, im Bereich des Unterarms.
Arthrose und Strecksehnenfach
Arthrose im Handgelenk kann indirekt auch die Strecksehnenfächer beeinflussen. Durch die veränderte Anatomie und erhöhte Reibung kann es zu Irritationen und Entzündungen der Sehnen kommen.
Diagnose von Erkrankungen des Strecksehnenfaches
Die Diagnose erfolgt in der Regel durch eine körperliche Untersuchung. Der Arzt wird die Beweglichkeit des Handgelenks und der Finger prüfen und nach Druckschmerzhaftigkeit im Bereich der Strecksehnenfächer suchen. Spezielle Tests, wie der Finkelstein-Test bei der Tendovaginitis de Quervain, können die Diagnose unterstützen. In manchen Fällen können bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder MRT erforderlich sein, um andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung von Erkrankungen des Strecksehnenfaches richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Beschwerden. Mögliche Behandlungsoptionen sind:
- Konservative Therapie: Ruhigstellung des Handgelenks mit einer Schiene, entzündungshemmende Medikamente (NSAR), Kortisonspritzen, Physiotherapie.
- Operation: In schweren Fällen oder wenn die konservative Therapie nicht erfolgreich ist, kann eine Operation erforderlich sein, um das betroffene Strecksehnenfach zu erweitern und die Sehne zu entlasten.
Vorbeugung von Problemen mit dem Strecksehnenfach
Einige Maßnahmen können helfen, Problemen mit dem Strecksehnenfach vorzubeugen:
- Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung: Achten Sie auf eine ergonomische Haltung und vermeiden Sie repetitive Bewegungen.
- Regelmäßige Pausen: Machen Sie regelmäßig Pausen, um Ihre Hände und Handgelenke zu entlasten.
- Dehnübungen: Führen Sie regelmäßig Dehnübungen für die Hand- und Unterarmmuskulatur durch.
- Vermeidung von Überlastung: Vermeiden Sie es, Ihre Hände und Handgelenke übermäßig zu belasten.
Fazit
Das Strecksehnenfach ist eine komplexe Struktur, die für die Funktion der Hand unerlässlich ist. Durch ein Verständnis der Anatomie, Funktion und möglichen Erkrankungen können Sie dazu beitragen, Probleme zu vermeiden und frühzeitig zu erkennen. Bei anhaltenden Schmerzen im Handgelenk oder Daumen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um die Ursache abzuklären und eine geeignete Behandlung einzuleiten.
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