Folsäure bei Haarausfall: Mythen, Fakten und was wirklich hilft
Folsäure (Vitamin B9) wird oft als Wundermittel für Haut, Nägel und Haare beworben. Doch kann Folsäure Haarausfall wirklich stoppen — und welche Dosis ist sicher? Dieser Artikel erklärt den aktuellen Wissensstand, praktische Tipps zur Ernährung, Tests und wann du zum Arzt solltest.
Warum Folsäure wichtig ist
Folsäure, auch Vitamin B9 genannt, ist essenziell für die Zellteilung, DNA-Synthese und Blutbildung. Schnell teilende Zellen — dazu gehören auch die Zellen der Haarfollikel — sind besonders auf ausreichende Folatversorgung angewiesen. Ein Mangel kann daher theoretisch das Haarwachstum beeinträchtigen.
Wie Folsäure Haarausfall beeinflussen kann
Ein niedriger Folatspiegel kann mehrere Mechanismen auslösen, die Haarwachstum und -qualität stören:
- Gestörte Zellteilung der Haarmatrix kann das Haarwachstum verlangsamen.
- Eingeschränkte Blutbildung (Anämie) vermindert die Sauerstoff- und Nährstoffzufuhr zur Kopfhaut.
- Interaktion mit anderen B-Vitaminen (z. B. B12) kann die Nervenfunktion und Haarfollikelgesundheit beeinflussen.
Wichtig: Haarausfall ist in der Regel multifaktoriell. Häufige Ursachen sind genetische Veranlagung (androgenetische Alopezie), hormonelle Störungen, Eisenmangel, Stress (telogenes Effluvium), Schilddrüsenerkrankungen oder Medikamente. Folsäure ist nur dann ein relevanter Faktor, wenn ein tatsächlicher Mangel vorliegt.
Was die Studien sagen
Die Datenlage ist gemischt. Es gibt Hinweise, dass Folsäuremangel mit diffusem Haarausfall assoziiert sein kann, vor allem wenn er zusammen mit Eisen- oder Vitamin-B12-Mangel auftritt. Randomisierte, groß angelegte Studien, die zeigen, dass alleinige Folsäuregabe bei Personen ohne Mangel Haarausfall deutlich verbessert, sind jedoch rar.
Kurz gesagt: Bei nachgewiesenem Mangel kann die Substitution helfen. Bei normalen Laborwerten ist Folsäure allein meist keine Lösung.
Symptome eines Folsäuremangels
- Müdigkeit, Schwäche (durch Anämie)
- Blasse Haut
- Zungenbrennen oder Mundulzera
- Diffuser Haarausfall oder brüchiges Haar (nicht spezifisch)
Wenn mehrere dieser Symptome auftreten, sollte eine Blutuntersuchung erfolgen.
Ernährung: Natürliche Quellen von Folsäure
Bevor zu Präparaten gegriffen wird, prüfen und optimieren viele Menschen ihre Ernährung. Gute Folatquellen sind:
- Grünes Blattgemüse (Spinat, Mangold, Rucola)
- Hülsenfrüchte (Linsen, Kichererbsen, Bohnen)
- Leber (hoher Gehalt, aber nicht regelmäßig in der Schwangerschaft)
- Vollkornprodukte und mit Folat angereicherte Cerealien
- Nüsse und Samen
Folat aus Lebensmitteln gilt als sicher und wird gut vertragen. Beim Kochen kann ein Teil verloren gehen — schonendes Garen hilft.
Supplemente: Form, Dosis und Hinweise
In Präparaten findet sich meist synthetische Folsäure oder das biologisch aktive L‑Methylfolat. Bei bestimmten genetischen Varianten (MTHFR-Polymorphismen) kann L‑Methylfolat besser verwertet werden.
Übliche Empfehlungen (als Orientierung):
- Alltag / Vorbeugung: etwa 300–400 µg Folatäquivalent pro Tag aus Ernährung und ggf. Ergänzung (empfehlenswert für Frauen im gebärfähigen Alter wegen Neuralrohrdefekt-Prävention).
- Diagnostizierter Mangel: häufig 400–1000 µg (0,4–1 mg) täglich, manchmal kurzfristig höhere Dosen unter ärztlicher Kontrolle.
- Schwangerschaft: meist 400 µg zusätzlich vor und in den frühen Wochen; konkrete Empfehlungen mit dem betreuenden Gynäkologen abstimmen.
Hinweis zur Obergrenze: Für synthetische Folsäure wird in einigen Ländern ein tolerierbarer oberer Grenzwert von 1000 µg/Tag diskutiert, weil sehr hohe Mengen die Diagnose eines Vitamin-B12-Mangels maskieren können. Konsultiere vor hohen Dosen immer eine Ärztin oder einen Arzt.
Wann du ärztliche Abklärung brauchst
- Plötzlicher oder starker Haarausfall: Zur Abklärung von Ursachen (Blutbild, Ferritin, TSH, Vitamin-B12, Folsäure).
- Begleitsymptome wie starke Müdigkeit, blasse Haut oder neurologische Auffälligkeiten.
- Wenn du Medikamente nimmst (z. B. Methotrexat, Antiepileptika), die den Folsäurestoffwechsel beeinflussen.
Praktische Vorgehensweise bei Haarausfall
- Lass Blutwerte prüfen: komplettes Blutbild, Ferritin, TSH, Vitamin B12 und Folsäure (ggf. Erythrozyten‑Folat für genaueren Langzeitwert).
- Ernährung optimieren und gezielt folatreiche Lebensmittel einbauen.
- Nur bei nachgewiesenem Mangel oder nach ärztlicher Empfehlung supplementieren.
- Geduld haben: Haare wachsen langsam — Verbesserungen zeigen sich oft erst nach 3–6 Monaten.
- Weitere Ursachen (Hormone, Genetik, Stress) abklären lassen, wenn keine Besserung eintritt.
Fazit
Folsäure kann bei Haarausfall hilfreich sein, wenn ein klarer Mangel besteht oder andere Mangelzustände (z. B. Eisen, B12) vorliegen. Für Menschen mit normalen Folatwerten ist isolierte Folsäuregabe selten die alleinige Lösung. Eine gezielte Untersuchung beim Hausarzt oder Dermatologen, ernährungsbasierte Maßnahmen und gegebenenfalls eine ärztlich überwachte Supplementation sind der richtige Weg.
Weiterführende Informationen: NHS: Folic acid • Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)