GOÄ Belastungs-EKG: Richtig abrechnen und Patienten optimal versorgen
Das Belastungs-EKG ist ein wichtiges diagnostisches Werkzeug in der Kardiologie. Doch wie wird es korrekt nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abgerechnet? Dieser Artikel liefert Ihnen alle wichtigen Informationen, um Fallstricke zu vermeiden und Ihre Patienten bestmöglich zu versorgen.
Das Belastungs-EKG, auch Ergometrie genannt, ist eine nicht-invasive Untersuchungsmethode, die zur Beurteilung der Herzfunktion unter körperlicher Anstrengung dient. Es wird häufig eingesetzt, um Durchblutungsstörungen des Herzens (koronare Herzkrankheit), Herzrhythmusstörungen oder Bluthochdruck unter Belastung zu erkennen. Aber auch zur Beurteilung der Leistungsfähigkeit kann es verwendet werden.
Was ist ein Belastungs-EKG?
Beim Belastungs-EKG wird der Patient auf einem Fahrradergometer oder einem Laufband belastet, während gleichzeitig ein Elektrokardiogramm (EKG) aufgezeichnet wird. Das EKG misst die elektrische Aktivität des Herzens und kann Veränderungen zeigen, die auf eine Minderversorgung des Herzmuskels hinweisen. Zusätzlich werden Blutdruck und Herzfrequenz überwacht.
Wann wird ein Belastungs-EKG durchgeführt?
Ein Belastungs-EKG kann aus verschiedenen Gründen durchgeführt werden:
- Abklärung von Brustschmerzen: Bei Verdacht auf eine koronare Herzkrankheit.
- Beurteilung der Leistungsfähigkeit: Sportmedizinische Untersuchungen.
- Kontrolle nach Herzinfarkt oder Bypass-Operation: Um die Wirksamkeit der Behandlung zu überprüfen.
- Diagnostik von Herzrhythmusstörungen: Die unter Belastung auftreten.
- Beurteilung des Blutdrucks unter Belastung: Bei Verdacht auf Belastungshypertonie.
GOÄ Ziffern für das Belastungs-EKG
Die Abrechnung des Belastungs-EKGs nach der GOÄ erfolgt hauptsächlich über die Ziffer 652. Es ist jedoch wichtig, die Details der Leistungsbeschreibung zu beachten:
GOÄ 652: Elektrokardiographische Untersuchung unter fortschreibender Registrierung (mindestens neun Ableitungen) in Ruhe und bei physikalischer Belastung (Ergometrie)
Diese Ziffer umfasst:
- EKG in Ruhe
- EKG während der Belastung (Ergometrie)
- Mindestens neun Ableitungen
- Fortschreibende Registrierung (d.h. kontinuierliche Aufzeichnung)
Der einfache Satz für die GOÄ 652 liegt bei ca. 25,94 EUR (Stand 2024). Der 2,3-fache Satz, der häufig angewendet wird, beträgt ca. 59,66 EUR. Der 3,5-fache Satz ca. 90,78 EUR.
Wichtige Abrechnungshinweise
Achten Sie auf folgende Punkte bei der Abrechnung des Belastungs-EKGs:
- Dokumentation: Eine ausführliche Dokumentation ist unerlässlich. Sie sollte den Grund für die Untersuchung, den Belastungsverlauf, die EKG-Veränderungen und die Beurteilung des Ergebnisses enthalten.
- Mindestens neun Ableitungen: Stellen Sie sicher, dass mindestens neun Ableitungen aufgezeichnet wurden.
- Ruhe-EKG: Die GOÄ 652 beinhaltet das Ruhe-EKG. Eine separate Abrechnung der GOÄ 651 (Elektrokardiographische Untersuchung in Ruhe) ist in der Regel nicht möglich, wenn im selben Behandlungstermin auch ein Belastungs-EKG durchgeführt wurde.
- Weitere Leistungen: Zusätzliche Leistungen, wie z.B. die Spiroergometrie (Messung der Atemgase unter Belastung), können gesondert abgerechnet werden.
Fallstricke vermeiden
- Unvollständige Dokumentation: Eine lückenhafte Dokumentation kann zu Problemen bei der Abrechnung führen.
- Falsche Ziffernwahl: Die Abrechnung einer falschen GOÄ-Ziffer kann zu Honorarkürzungen führen.
- Überschreitung des Steigerungsfaktors: Eine Überschreitung des 2,3-fachen Satzes muss begründet werden.
Alternativen zum Belastungs-EKG
Es gibt verschiedene Alternativen zum Belastungs-EKG, die je nach Fragestellung und Patientensituation eingesetzt werden können:
- Stressechokardiographie: Ultraschalluntersuchung des Herzens unter Belastung.
- Myokardszintigraphie: Nuklearmedizinische Untersuchung zur Beurteilung der Durchblutung des Herzmuskels.
- Kardio-MRT: Magnetresonanztomographie des Herzens.
- Koronarangiographie (Herzkatheteruntersuchung): Invasive Untersuchung zur Darstellung der Herzkranzgefäße.
Fazit
Das Belastungs-EKG ist eine wertvolle diagnostische Methode, die bei richtiger Anwendung und Abrechnung einen wichtigen Beitrag zur Patientenversorgung leistet. Achten Sie auf eine sorgfältige Dokumentation und die korrekte Anwendung der GOÄ-Ziffern, um Honorarverluste zu vermeiden und Ihren Patienten eine optimale Behandlung zu gewährleisten. Bei Unsicherheiten empfiehlt es sich, eine Abrechnungsberatung in Anspruch zu nehmen.