Pregnenolon und Haarausfall: Ursachen, Risiken und was Betroffene tun sollten
Viele Menschen nutzen Pregnenolon als Nahrungsergänzung oder in der Hormonmedizin – einige berichten jedoch über Haarausfall nach Einnahme. Dieser Artikel erklärt, wie Pregnenolon im Körper wirkt, welche Mechanismen Haarausfall auslösen können, welche Belege es gibt und welche Schritte sinnvoll sind, wenn Sie Veränderungen der Haardichte bemerken.
Was ist Pregnenolon?
Pregnenolon ist ein körpereigenes Steroidhormon und gleichzeitig das zentrale Vorläufermolekül (Steroid-Precursor) für andere Steroidhormone wie Progesteron, DHEA, Testosteron, Östrogene und Kortisol. Es wird in Nebennieren, Eierstöcken/Hoden und im Gehirn gebildet und hat neben hormonellen Funktionen auch neurosteroidale Wirkungen.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Pregnenolon und Haarausfall?
Kurz gesagt: Es gibt Hinweise und Berichte, die einen möglichen Zusammenhang nahelegen, aber die Datenlage ist nicht eindeutig. In Produktinformationen und Anwenderberichten wird Haarausfall gelegentlich als Nebenwirkung genannt. Klinische Studien, die systematisch Pregnenolon als Ursache für Haarausfall untersuchen, sind rar.
Wie könnte Pregnenolon Haarausfall verursachen? (Mechanismen)
- Umwandlung zu androgenen Vorstufen: Pregnenolon kann in der Steroidbiosynthese in DHEA und weiter zu Testosteron und letztlich Dihydrotestosteron (DHT) umgewandelt werden. DHT ist der wichtigste Faktor für androgenetische Alopezie (erblich bedingter Haarausfall). Eine Erhöhung androgenreicher Vorstufen kann bei empfindlichen Personen Haarfollikel schädigen.
- Hormonelle Balance verschieben: Selbst wenn Pregnenolon nicht direkt zu hohen Testosteronwerten führt, kann es die Balance zwischen Progesteron, Östrogenen und Androgenen verändern. Solche Verschiebungen können Telogen Effluvium (diffuser Haarausfall) oder eine Verschlimmerung androgenetischer Muster begünstigen.
- Stress- und Kortisolachse: Pregnenolon beeinflusst auch die Nebennierenfunktion und damit die Stressachse (HPA). Veränderungen von Kortisol können indirekt Haarzyklen stören.
- Individuelle Empfindlichkeit und Genetik: Manche Menschen haben eine höhere Aktivität von Enzymen wie 5α-Reduktase oder empfindlichere Androgenrezeptoren und reagieren deshalb stärker auf kleine hormonelle Verschiebungen.
Welche Formen von Haarausfall können auftreten?
- Androgenetische Alopezie: Langsamer, konzentrierter Verlust an Stellen, die genetisch disponiert sind (z. B. Stirn/Tonsur bei Männern, Scheitel bei Frauen). Kann durch erhöhte androgenen Aktivität verschlechtert werden.
- Telogen Effluvium: Diffuser, oft plötzlich einsetzender Ausfall, normalerweise 2–3 Monate nach einem auslösenden Ereignis (hormonelle Umstellung, Medikament, Stress). Wenn Pregnenolon als Auslöser wirkt, zeigt sich dieser Zeitverlauf häufig.
Wie häufig ist dieser Effekt?
Exakte Häufigkeitsdaten gibt es nicht. Herstellerangaben und Nutzerberichte deuten darauf hin, dass Haarausfall eine mögliche, aber nicht sehr häufige Nebenwirkung ist. Das Risiko steigt wahrscheinlich mit höherer Dosis, längerer Einnahme und individueller Prädisposition.
Was sollten Sie tun, wenn Sie nach Pregnenolon Haarausfall bemerken?
- Stoppen oder reduzieren: Setzen Sie das Supplement vorübergehend ab oder reduzieren Sie die Dosis, und beobachten Sie die Veränderung. Bei hormonellen Nebenwirkungen kann sich das Haarbild innerhalb von einigen Monaten stabilisieren.
- Ärztliche Abklärung: Suchen Sie einen Hausarzt, Endokrinologen oder Dermatologen auf. Wichtige Laborwerte, die helfen können: DHEA‑S, Gesamt- und freies Testosteron, Östradiol, Progesteron, SHBG, Kortisol, TSH, Ferritin, Vitamin D und ggf. Autoantikörper (bei Verdacht auf autoimmune Ursachen).
- Zeitrahmen beachten: Telogen Effluvium zeigt sich meist 2–3 Monate nach dem auslösenden Ereignis; androgenetische Veränderungen sind langsamer. Dokumentieren Sie Fotos und ggf. Haarmessungen.
- Behandlungsmöglichkeiten: Je nach Ursache können Minoxidil, Finasterid (bei Männern), Antiandrogene (bei Frauen, unter ärztlicher Aufsicht), Eisen- und Vitamin‑Substitution oder PRP/medizinische Therapien sinnvoll sein.
Wann ist besondere Vorsicht geboten?
- Bei Kinderwunsch, Schwangerschaft oder Stillzeit: Pregnenolon-Supplemente sollten nicht ohne ärztliche Empfehlung verwendet werden.
- Bei hormonempfindlichen Erkrankungen (z. B. Brust- oder Prostatakrebs): Konsultieren Sie immer einen Facharzt.
- Bei gleichzeitiger Einnahme anderer Hormonpräparate oder DHEA/Testosteron: Risiko für synergistische Effekte erhöht.
Praktische Tipps für Betroffene
- Führen Sie ein Einnahme‑ und Symptomtagebuch (Datum, Dosis, Beobachtungen).
- Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung, ausreichenden Schlaf und Stressmanagement – das stabilisiert die Haarzyklen.
- Vermeiden Sie aggressive Haarbehandlungen und enge Frisuren während der Regenerationsphase.
- Wenn Sie Supplemente weiter einnehmen möchten, sprechen Sie mit einem Facharzt über niedrige Startdosen und Laborkontrollen.
Fazit
Pregnenolon kann theoretisch und in Einzelfällen praktisch zu Haarausfall beitragen, vor allem wenn es zu einer vermehrten Bildung androgenwirksamer Zwischenprodukte führt oder die hormonelle Balance stört. Die Datenlage ist jedoch begrenzt und individuelle Faktoren spielen eine große Rolle. Bei Haarausfall nach Pregnenolon‑Einnahme ist es ratsam, das Präparat vorübergehend abzusetzen, ärztliche Abklärung (Laborwerte) durchführen zu lassen und gegebenenfalls eine auf die Ursache abgestimmte Therapie einzuleiten. Eine enge Abstimmung mit Endokrinologen und Dermatologen reduziert Risiken und hilft, die beste Strategie für Ihr Haar zu finden.
Weiterführende Informationen: PubMed (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov) und die Fachgesellschaften für Endokrinologie/Hautmedizin bieten vertiefende Übersichtsartikel. Bei akuten oder belastenden Symptomen suchen Sie bitte kurzfristig medizinischen Rat.
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