Tut Akupunktur weh? So fühlen sich Nadeln wirklich an und wie schmerzhaft ist die Behandlung
Viele Menschen zögern vor der ersten Akupunktur aus Angst vor Schmerzen. Dieser Artikel erklärt ehrlich und verständlich, was beim Nadeln spürbar ist, welche Risiken es gibt und wie Sie die Behandlung möglichst schmerzfrei erleben.
Kurzvorab: Was ist Akupunktur?
Akupunktur ist eine Therapie aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), bei der feine Nadeln an definierten Punkten in die Haut gesetzt werden. Sie wird weltweit bei Schmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit und weiteren Beschwerden eingesetzt. Die zentrale Frage für viele: "Tut Akupunktur weh?"
Wie schmerzhaft ist das Einstichen?
In den meisten Fällen: kaum. Akupunkturnadeln sind sehr dünn (typisch 0,12–0,30 mm Durchmesser) und deutlich feiner als Injektions- oder Blutentnahmenadeln. Viele Patienten beschreiben das Gefühl beim Einstich als leichtes Pieksen, kurzes Stechen oder ein kleines Kribbeln.
Wichtig: das Empfinden ist individuell. Faktoren, die das Schmerzgefühl beeinflussen, sind Angst, die Körperstelle, die Nadeltechnik und ob zusätzlich stimuliert (manuell oder mit Strom) wird.
Die typische Empfindung – nicht nur Pieksen
- Kurzes Pieksen: Das ist das häufigste Gefühl beim Einführen der Nadel.
- De-Qi: Viele erfahren nach dem Einstechen ein tieferes Gefühl – Druck, Schwere, Ziehen oder Wärme rund um den Punkt. In der TCM wird das als "De-Qi" bezeichnet und gilt oft als erwünschtes Ansprechen.
- Kribbeln oder elektrische Empfindung: Besonders bei Strom- (Elektroakupunktur) oder manueller Stimulation kann ein leichtes Kribbeln spürbar sein.
- Leichte Nachschmerzen: Manche Stellen können nach der Behandlung für Stunden leicht wund oder druckempfindlich sein.
Warum manche Menschen stärker empfindlich reagieren
- Angst und Anspannung: Wer sehr ängstlich ist, spannt Muskeln an und empfindet das Einstichgefühl intensiver.
- Körperstelle: Stellen mit dünner Haut oder vielen Nervenenden (z. B. Fingerkuppen, Kopfhaut) sind empfindlicher als Rücken oder Oberschenkel.
- Technik und Erfahrung des Behandlers: Erfahrene Behandler setzen Nadeln zügig und präzise. Unsichere Technik kann unangenehmer sein.
Sind Nebenwirkungen oder Komplikationen möglich?
Ja, aber selten und meist mild. Mögliche Reaktionen:
- Leichte Blutung an der Einstichstelle oder blauer Fleck (Hämatom)
- Vorübergehende Müdigkeit, Schwindel oder Übelkeit
- Lokale Schmerzen oder Druckgefühl
- Infektionen sind sehr selten bei sachgerechter Sterilität
- Sehr selten: schwerwiegende Komplikationen wie Pneumothorax (durch falsches Setzen in der Brustregion) — daher ist qualifizierte Ausbildung wichtig.
Gesundheitsorganisationen wie die Techniker Krankenkasse, AOK und die Deutsche Schmerzgesellschaft betonen, dass Akupunktur bei qualifizierter Anwendung ein sicheres Verfahren ist.
Was beeinflusst, ob es weh tut — praktische Tipps
- Kommunikation: Sagen Sie Ihrem Behandler, wenn Sie Angst haben oder besonders empfindlich sind. Er kann die Technik anpassen.
- Entspannen: Tiefe Atmung, lockere Kleidung und eine ruhige Haltung helfen, das Schmerzempfinden zu senken.
- Essen und Trinken: Leichte Mahlzeit vorher vermeiden Unterzuckerung; aber auch nicht direkt nach schwerem Essen kommen.
- Kein Koffein vor der Behandlung: Stimulanzien können die Nervensensibilität erhöhen.
- Alternativen: Bei extremer Nadelfurcht kann Akupressur, Laserakupunktur oder Ohrakupunktur eine Option sein.
Unterschiede bei Kindern, älteren Menschen und speziellen Erkrankungen
Bei Kindern wird die Nadeltechnik angepasst (feinere Nadeln, kürzere Verweildauer) oder ganz auf kindgerechte Alternativen zurückgegriffen. Ältere Menschen haben oft dünnere Haut, wodurch das Gefühl anders wahrgenommen wird. Bei Blutgerinnungsstörungen oder wenn Sie blutverdünnende Medikamente nehmen, besprechen Sie Akupunktur vorab mit dem Arzt — das Risiko für Hämatome ist erhöht.
Wie lange dauert das Gefühl und wie viele Sitzungen sind nötig?
Das unmittelbare Einstichgefühl ist kurz; De-Qi oder Druck kann während der Sitzung anhalten. Nach der Behandlung klingt alles meist innerhalb von Stunden ab. Die Anzahl der Sitzungen hängt vom Beschwerdebild ab: akute Beschwerden benötigen oft weniger Sitzungen, chronische Probleme mehrere Wochen bis Monate.
Was sagt die Wissenschaft?
Studien zeigen, dass Akupunktur bei bestimmten Schmerzen (z. B. chronische Rückenschmerzen, Spannungskopfschmerzen, Kniearthrose) effektiver sein kann als keine Behandlung und in einigen Fällen besser als Scheinakupunktur. Die genauen Wirkmechanismen werden noch erforscht — vermutlich spielen Nerven-, Entzündungs- und Endorphinsysteme eine Rolle. Verlässliche Übersichten finden Sie etwa bei Fachgesellschaften und Krankenkassen (siehe Links oben).
Fazit: Tut Akupunktur weh?
In den meisten Fällen ist die Antwort: Nein, nicht im Sinne von starken Schmerzen. Meist sind nur kurze, milde Empfindungen spürbar — manchmal ein tieferes Druck- oder Ziehgefühl (De-Qi), das als Teil der Wirkung gilt. Schwerwiegende Schmerzen oder Komplikationen sind selten, solange die Behandlung von qualifizierten Fachleuten mit sterilem Material durchgeführt wird.
Wenn Sie unsicher sind
Besprechen Sie Ihre Bedenken offen mit Ihrem Arzt oder Akupunkteur. Gute Praxen erklären den Ablauf, die verwendeten Nadeln und eventuelle Nebenwirkungen. Wenn Sie eine erste, schmerzfreie Erfahrung möchten, fragen Sie nach einer kurzen Probe-Einstellung oder alternativen Methoden wie Akupressur oder Laserakupunktur.
Weiterführende Informationen: Techniker Krankenkasse – Akupunktur, AOK – Akupunkturinfo, Deutsche Schmerzgesellschaft.